Barockschloss

15. Mai 2017
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Amsel und Eichelhäher

Ich habe mich mit den Amseln im Schlossgarten angefreundet. Das viele Vertikutieren, mit dem ich seit einigen Wochen beschäftigt bin, fördert Würmer und Insekten an die Rasenoberfläche. Die Amseln kommen ganz nah an mich heran auf ihrer Pirsch nach Essbarem. Ein Amselpärchen hat sich – u.a. von dem Moos, das ich aus den Rasenflächen ziehe – ein Nest in der Glyzinie gebaut. Frau Amsel kehrt dort noch fleißig ein und aus, weshalb ich vermute, dass sie noch keine Eier gelegt hat.

Abends besucht mich ein Eichelhäher, der jedoch nicht so zahm ist, wie die Amseln und Abstand hält. Gelegentlich lässt sich ein Entenpärchen auf unserem Teich im Schlossgarten nieder. Die beiden sind auch ein wenig scheu.

Katze Schlossgarten Zeilitzheim Foto Isa von Halem

Nachbarskatze zu Besuch. Foto: Isa von Halem

Wenn ich auf dem Kies knieend Unkraut von den Gartenwegen zupfe besuch mich manchmal eine junge Nachbarskatze. Bis vor kurzem durfte nur ich sie streicheln. Von den Kindern hatte sie (vermutlich berechtigterweise) Respekt und nahm immer Reißaus, wenn sich diese näherten. Gestern kam sie mich wieder besuchen und ließ sich sogar auf meinem Schoß nieder. Sogar Cajus, unser jüngster, durfte ihn streicheln.

Über den neuesten tierischen Nachwuchs im Schlossgarten schreibe ich bald noch gesondert.

5. Mai 2017
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Baukes Gedichte zu den Gästezimmern

Unser holländischer Vetter Bauke van Halem lebt in Breda, Niederlande. Einst war er Manager bei der weltweit exportierenden Heineken Brauerei, nun ist er im Ruhestand. Er ist ein Mensch, der Kultur und Geschichte liebt. Und: Er dichtet!

Wie er nach Zeilitzheim kam, haben wir ja schon berichtet. (http://barockschloss.de/?s=bauke) Wunderbar ist seine „Chronik“ der Geschichte von Halem, zusammengesetzt aus historischen Quellen und Vermutungen und Mythen. So manche Texte von ihm haben wir während seiner Aufenthalte in Zeilitzheim gehört. Aber nun liegt ein Büchlein vor, das er „Poetische Begegnungen“ nennt. Er ließ sich von den Namen der Zimmer des Hotels Schloss Zeilitzheim bzw. deren Namensgeber inspirieren. Die Zimmer haben nämlich keine Nummern, sondern Namen, die Bezug auf die Baugeschichte des Schlosses nehmen oder auf Künstler in Franken (meist des Mittelalters oder des Barock) oder auf historische Personen und solche, die mir besonders nahestanden (Maria Sibylla Merian, Bettina von Arnim, Gabriele Münter). Mit großem Feingefühl und dichterischer Einfühlungsgabe schrieb Bauke van Halem zu jeder dieser Person eine „poetische Begegnung“. Er ist Niederländer und der deutschen Sprache mächtig. Aber seine deutsche Übertragung mag sprachliche „Eigenartigkeiten“ beinhalten, die den Werken in ihrer Übersetzung eine ganz besondere Sprache verleihen.

Bauke van Halem gehört zu den „Rederijkers“, einer Dichter-Zunft in Holland. In seiner Gilde ist er der „Hofdichter“. Das Schreiben in dichterischer Form ist sein Lebens-Elixier. Mehrere Gedichtbände stammen aus seiner Feder. Kein Wunder, daß die Namen der Gästezimmer in Schloss Zeilitzheim seine Kreativität herausforderten. „In endlose Höhen hob er Stiegen, Stufen, gezeichnete Linien“ sagt er zu Balthasar Neumann, „er war ein Bauherr-Diener, begnadet“. Natürlich hat er eine besondere Affinität zu dem Dichter Wolfram von Eschenbach, dessen Name eines der Zimmer ziert. Bei der dichterischen Beschreibung der Arkadenhofzimmer wird er sowohl historisch, was die Familie von Halem betrifft sowie frühere Besitzer des Schlosses, vertreten durch ihre Wappentiere, als auch persönlich: „Ein Kämpfer bin ich nicht Kein Fuchs Kein Wolf Kein Löwe auch Nur eine Taube noch beim Brunnen im Arkadenhof. Ich fühle mich zu Hause hier und kam von langen Reisen….“. 19 poetische Beschreibungen sind so entstanden in deutscher und niederländischer Sprache, die Bauke zu einem sehr hübschen Büchlein zusammengefaßt hat. In jedem der Zimmer liegt ein Exemplar.

Ich bin sehr stolz darauf, dass Bauke van Halem, Verwandter und niederländischer Dichter, zu unserer Familie gehört.

Marina von Halem

21. März 2017
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Frühlingsgefühle? Auf zum Ostermarkt ins Schloss!

Ostermarkt Schloss Zeilitzheim

Ostermarkt mit Büchermarkt im Barockschloss Zeilitzheim

Was einmal mit einem Flohmarkt begann entwickelte sich über viele Jahre zu einem österlichen Kunsthandwerkermarkt. Immer am Sonntag drei Wochen vor Ostern verwandelt sich das Schloss in eine Frühlingsoase. Weil Ostern ein beweglicher Feiertag ist, kann das auch mal recht früh im Jahr sein. Dieses Jahr haben wir das Glück, dass der Frühling zum Ostermarkt zumindest kalendarisch bereits begonnen hat. Mit noch ein wenig Glück mehr ist es am Sonntag, 26. März tatsächlich sonnig und frühlingshaft, so dass möglichst viele die Anstrengungen der rund 30 ausgewählten Kunsthandwerker mit ihrem Besuch belohnen. Auch der Förderkreis des Schlosses, der die Bewirtung mit ehrenamtlichen Helfern organisiert, würde sich über regen Besuch freuen.

Wer den Markt schon mal besucht hat benötigt dazu nicht viel Erklärung. Für „Ersttäter“ gibt es hier ein paar Informationen:

Die historischen Säle des Schlosses und der Park laden die Besucher zum Flanieren, Besichtigen und Kaufen von österlichem Schmuck und Kunsthandwerk ein.

Im lauschigen Schlosshof ergeben sich bei einer frisch gegrillten Bratwurst und einem Glas Wein aus dem 2012 gegründeten schlosseigenen Weingut „Wein von 3“ anregende Gespräche. Heiko (und ich, sofern mir als „Renner“ beim Markt dafür die Zeit bleibt) wird ab ca. 11 Uhr den Verkostungsstand im Innenhof öffnen. Dort kann man sich einfach durch probieren, oder auch einen Schoppen oder Achterle einschenken lassen. Natürlich ist der Wein auch käuflich zu erwerben.

Im am gegenüberliegenden ehemaligen Gasthaus „Zur Sonne“ lässt es sich inmitten tausender gut sortierter Bücher (Kinderbücher, wissenschaftliche Bücher, Reiseführer, Taschenbücher…) stundenlang stöbern. Der Büchermarkt mit denen von Freunden des Schlosses gespendeten und von ehrenamtlichen Helfern rund um Frau Geiger mühsam und sorgfältig sortierten Büchern dient als als Zusatzangebot oder auch als Alternative zum Kunsthandwerk.

Großer Beliebtheit erfreut sich das musikalische Rahmenprogramm im Schlosscafé. Im Jagdsaal fühlen sich die Besucher bei den Biedermeier-Damen nach Wien versetzt: Zu Kaffee, Tee, hausgebackenen Kuchen und Torten erklingt Kaffeehausmusik. Aber auch für den kleinen Hunger ist hier gesorgt: Schmalzbrote und Kartoffelsuppe mit oder ohne „Wiener“ und Getränke runden das Angebot ab.

Erlöse aus Büchermarkt und Bewirtung kommen dem als gemeinnützig anerkannten Förderkreis Schloss Zeilitzheim zugute, der damit die kulturellen Veranstaltungen für die Region im Schloss bezuschusst. Der Vorsitzende des Förderkreises, Herr Schmidtchen, gibt gerne Auskünfte über die Arbeit des Förderkreises.

Der Eintritt zum Ostermarkt beträgt 3 Euro pro Person (Kinder frei). Der Eintritt zum Büchermarkt ist frei. Marktzeiten: 10 bis 18 Uhr.

14. März 2017
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Aufgemischt: alt/neu – Oli Bott und Anna Carewe beim Konzert im Schloss

Anna Carewe - Oli Bott

Anna Carewe, Oli Bott (Foto: Miroe)

Das Konzert von Oli Bott und Anna Carewe am 19. März um 17 Uhr – dem ersten unserer Saison – verspricht aufregend zu werden. Nicht nur wegen des außergewöhnlichen Instruments – das Vibraphon, das zusammen mit Anna Carewes Violoncello gespielt wird, sondern wegen der Musikauswahl. Da ist der ganz alte Meister (Diego Ortiz, um 1500), und die alten Meister Vivaldi und Bach und (nicht so alt) Eric Satie. Das Werk von ihm, das die Musiker spielen, heißt „Première Gnossienne“, eine Klavierkomposition von 1890, experimentell in Form und Rhythmus, also wie gemacht für die beiden Musiker, die sich auf das Improvisieren und Experimentieren verstehen. Den Namen Gnosienne hat Eric Satie erfunden. Ein anderer Komponist, Peter Sculthorpe geboren 1929 in Tasmanien und gesorben 2014 in Woollahra, New South Wales, ist ein australischer Komponist, der sich für die Musik der indigenen Einwohner Australiens interessierte und die Themen Landschaft und Natur in seiner Musik integrierte. Das Cello kommt darin wunderbar zum Einsatz. Er erhielt viele Preise, z.B. von der australischen Filmindustrie für „beste klassische Musik-Wiedergabe“. 1997 wurde er gewählt zu einem der „Australia’s Living National Treasures“. Wir dürfen gespannt sein!

Der Ethnologe und Fotograf Jimmy Nelson, der ein wunderbares Fotobuch über indigene Kulturen herausgab, sagte: „Tribes are the last resorts of natural authenticity“. Ebenso Neuland für uns dürfte George Crumb sein, 1914 in Charleston, USA geboren, der durch ungewöhnliche vokale und instrumentale Techniken einen großen Reichtum an Klangfarben erreichte. „Waldgesänge“ von 1971 wird so eine Komposition sein. Anne Sophie Mutter hat sie gespielt. George Crumb wurde aufgenommen in die American Academy of Arts and Letters und die American Academy of Arts and Science, in die Akademie der Künste in Berlin etc.

Um mit den Künstlern zu reden und ihre Instrumente kennenzulernen, ist nach dem Konzert Gelegenheit bei einem Abendimbiss, der aus Suppe und einer Käseauswahl besteht. Dazu bitten wir um Anmeldung:

Sonntag, 19. März 2017, 17.00 Uhr
NEUE DIALOGE ÜBER ALTE MUSIK
Mit Cello und Vibraphon auf einer Zeitreise von Alter Musik bis Neuer Musik mit Ausflügen zu Jazz und Improvisationen. Anna Carewe, Violoncello; Oli Bott, Vibraphon.
(Mit Unterstützung des Förderkreises Schloss Zeilitzheim e.V.)
Eintritt: 15,– €
Zubuchbar im Anschluss: Suppe, kleine Käseauswahl, 6,50 €

Schloss Zeilitzheim, Tel. 09381-9389 oder E-Mail: info@barockschloss.de

29. Dezember 2016
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Das war 2016

Schloss Zeilitzheim Winter 2016

Viele beschweren sich gerade darüber, was für ein schreckliches Jahr 2016 doch gewesen ist. Sicherlich: Weltpolitisch ist in der Tat gerade einiges im Argen. Kriege, die aus unserer Sicht in den vergangenen Jahren weit weg waren, rücken inzwischen näher oder haben auf andere Weise ihre Auswirkungen auf uns in Westeuropa. Geschehnisse in USA und Russland verursachen auch die eine oder andere Sorgenfalte. Fakt ist: Es ist eine Zeit in der wir umso mehr zusammen rücken und vernünftig handeln müssen. Das fängt bei jedem Einzelnen an. So ein Jahreswechsel kann durch gute Vorsätze für das neue Jahr dabei helfen. Ich wünsche mir, für uns alle, dass es nicht bei den Vorsätzen bleibt, egal ob auf persönlicher oder staatlicher Ebene.

Für das Schloss war es ein sehr gutes Jahr. Die vor einigen Jahren für größere Feste eingeführte Umstrukturierung auf externes Catering erweist sich als die richtige Entscheidung. Für Gastgeber, die ihre Gäste in einen unserer Festsäle (mit oder ohne Übernachtung im Hotel) einladen, haben dadurch die maximalmögliche Flexibilität der Bewirtung vom einfachen aber sehr guten Dorfmetzger bis hin zum Sternekoch. Für uns selbst bedeutet es, dass wir uns mehr um unsere Kernkompetenzen kümmern können und für mich persönlich erlaubt es mir Zeit für die Weinbergsarbeit nehmen zu können, die mich sehr zufrieden macht.

Seit 2012 bin ich ja nun – zusammen mit meinen beiden Weingutsmitinhabern Heiko Niedermeyer und Christian Werr – Winzer. Vier Weinjahrgänge haben wir schon auf den Markt gebracht. Diese Weine sind größtenteils ausverkauft und wir – und unsere Stammkunden – warten sehnsüchtig darauf die 2016er Weine abzufüllen. Aber Wein ist „Slow Food“ und Gut Ding will eben Weile haben. Die paar Monate, die wir den Weinen länger auf der Feinhefe lassen, tragen zu ihrer Qualität bei. So konnten wir auch für 2017 unseren Stern beim Eichelmann Weinführer halten. Welche Weine momentan noch verfügbar sind finden Sie hier: http://weinvon3.de/weine/. Wer eine Benachrichtigung erhalten möchte, wenn sein Lieblingswein wieder verfügbar ist, kann sich in den E-Mail Newsletter Verteiler eintragen oder sich auf anderem Wege bei uns melden.

Auch kulturell konnten wir im Schloss – auch Dank finanzieller Unterstützung des Schloss Förderkreises – wieder einiges bieten. Fünf Konzerte und eine Theateraufführung brachten wieder ca. 200 Besucher ins Schloss – im vergangenen Jahr ganz ohne öffentliche Förderung. Auch die zwei kunsthandwerklichen Märkte erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Den Mitgliedern und Unterstützern des Förderkreises sage ich dafür ganz herzlichen Dank!

Nun ist Winterpause im Schloss angesagt, was nicht heißt, dass hinter den Kulissen nichts passiert. So wird im Januar zum Beispiel der Fußboden des Jagdsaals saniert. Im Weinberg sind wir seit gestern mit dem Rebschnitt beschäftigt. Ein paar Samstagstermine sind 2017 für Hochzeitsfeiern oder andere Feiern familiärer oder betrieblicher Art noch frei, so dass wir auch im Januar und Februar noch interessierte Gastgeber durch das Schloss führen, obwohl in dieser Zeit das Hotel geschlossen ist. Das Kulturprogramm 2017 steht bereits und kann hier eingesehen werden: Programm

Über ein Wiedersehen im neuen Jahr würde ich mich sehr freuen! Bitte erzählen Sie anderen vom Schloss und empfehlen Sie es Ihren Freunden weiter! Es darf ruhig ein „Geheimtipp“ bleiben, aber Sie, die es kennen, wissen am Besten, wer es auch schätzen könnte. Herzlichen Dank!

18. November 2016
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Anleitung zum Schlossleben

Braucht man als Nicht-Schlossbewohner eine Anleitung zum Schlossleben? Ich weiß es nicht. Zumindest wusste ich es nicht, bis ich das Buch „Wo Grafen schlafen – Was ist wo im Schloss und warum?“ von Eduard von Habsburg-Lothringen gelesen habe.

Habsburg – direkter Nachkomme des einstigen österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth (die „Sissi“ genannt wurde und durch schmalzige Verfilmungen auch späteren Generationen noch gut bekannt ist) – beschreibt auf charmante Art und Weise, was Schlösser eigentlich sind und wie es sich darin lebt. Als Bewohner eines solchen alten, überdimensionierten Kastens hat mich das natürlich interessiert. Zudem wollte ich feststellen, ob das Buch auch taugt anderen so ein Schlossleben näher zu bringen. Kurzum: Ja. Wenngleich Schloss ja nicht gleich Schloss ist, was Habsburg gleich zu Beginn seines Büchleins auch klar stellt.

Ein paar Konzepte aus dem Buch werde ich nun exemplarisch heraus greifen, weil sie mich berühren oder ich mich sonstwie damit identifizieren kann.

Der unverwechselbare Geruch von Schlössern. Gibt es das? Insofern es alter Bausubstanz und bestimmten Baustoffen geschuldet ist, ist das sicherlich so. Bei uns ist das ja der kalkschwere Geruch, der von der sich im permanenten Zustand der sich Abrieselns befindenden Kalk-Leim-Farbe an den Wänden geschuldet. Schlossspezifische Geräusche stammen sicherlich von hohen Decken und langen, kahlen Fluren. Die Filzschuhe, die man sich in manchen Schlössern zur Schonung von Estrich oder Parkett noch überstreifen muss, gab es bei uns vor 30 Jahren auch mal. Allerdings eher so als Jux. Es sind davon seit Jahren mehr keine gesehen worden. Für eine Schlossführung mit Kindern wäre das aber mal wieder ein schöner Gag…

Der Schlossgarten… Meine große Liebe

Besonders schön finde ich, dass Habsburg seine virtuelle Schlossbesichtigung im Schlossgarten beginnt, verbringe ich dort ja auch so viele Stunden meines Lebens. Solch einen Schlossgarten – sofern noch nicht vorhanden, legt man zur Schönheit an, um darin flanieren zu können (sollte ich auch öfter mal machen, nur darin flanieren). Früher hatten herrschaftliche Gärten aber auch eine andere Funktion. Neulich las ich in dem sehr empfehlenswerten Buch von Yuval Noah Harari „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ (oder war es im Folgebuch dazu „Homo Deus“?) der gemeine Garten sei entstanden, weil der aufkommende Wohlstand bürgerlicher Menschen diese als ein Nacheifern früherer herrschaftlicher Gartenanlagen pflegten. Die Herrscher hätten diese ursprünglich nur angelegt, um zu signalisieren „ich kann es mir leisten mir einen so nutzlosen, arbeitsaufwändigen Garten zu halten“ und wir würden es ihnen mit unseren privaten, meist ebenso nutzlosen Rasenflächen nun nach machen. Auch Habsburg beschreibt barocke Gartenanlagen als Verlängerung „absolutistischer Macht des Herrschers“. Wer sich als verarmter Landadeliger noch einen solchen Garten hält (mit entsprechend hohem eigenen Arbeitseinsatz) tut dies nun jedoch eher aus ästhetischen Gründen und zur Bewahrung historischer Vorlagen.

Das Treppenhaus als Werkzeug zur Repräsentation greift Habsburg auch auf. In unserem Schloss musste – aus eben jenen Gründen – Fürstbischof Damian Hugo Graf von Schönborn nachhelfen und das erst fünfzig Jahre zuvor erbaute Schloss umbauen und die prunklosen Wendeltreppen durch eine herrschaftliche Sandsteintreppe mit Baluster ersetzen.

Dach und Kanalisation „zwei große Sorgenkinder von Schlossbesitzern, zwei große Kostenverursacher“ zu nennen trifft es sehr gut. Es genügt jedoch, wie es auch Habsburg tut, das Thema mit dieser kurzen Beobachtung schon wieder zu verlassen und sich schöneren, lebensfroheren Schlossthemen zu widmen.

Damit, dass es in einem typischen Schloss oft schwierig ist den eigentlichen Eingang zu finden, trifft Habsburg es ins Schwarze. Das ist bei uns auch schon so manchem Gast so gegangen, der den Eingang ausgerechnet von der Seitengasse aus sucht, von der aus es gar keinen Eingang gibt, oder über den Innenhof seitlich hineinkommt, weil er vor dem Hauptportal mit seiner Doppeltreppe und herrschaftlichem Doppelwappen über dem Portal steht und sich fragend den Kopf kratzt, wo es eigentlich hinein gehen soll.

Das Thema Jagd findet bei Habsburg natürlich Gehör, ist so manches Schloss doch gefüllt mit Jagdtrophäen (was bei uns nicht anders ist, auch wenn diese nicht ursprünglich zum Schloss gehören). In Adelskreisen ist es ausserdem Chic zur Jagd zu gehen und auch als Nichtjäger im Loden-Janker umher zu gehen (was auch Habsburg ein wenig augenzwinkernd bemerkt). Auch ich habe mal den Jagdschein gemacht, aber nicht, um in unseren nicht vorhandenen Wäldern zur Jagd zu gehen, sondern weil sich mir die Gelegenheit während der Stationierung in Rheinland Pfalz unter dem Besatzungsstatut Ende der 1980er Jahre sehr günstig bot und ich gerne Weiterbildungsangebote annehme, vor allem, wenn sie mich nichts kosten – außer Zeit.

Ja, im Winter ist es kalt in Schlössern

Das alte, für den eigentlichen Bewohner sehr leidige Thema „im Winter im Schloss frieren“ und die „Heizkosten“ bereitet Habsburg natürlich auf. Darüber könnte ich vieles erzählen und werde mir das für einen zukünftigen Blogartikel aufheben.

Schmunzeln musste ich bei dem Abschnitt zur Beharrlichkeit alter, thematisch nicht mehr zutreffender Zimmernamen in Schlössern, hatten wir ja selbst lange Jahre einen Abstellraum, der zu einem kleinen Festsaal wurde, „Kapelle“ genannt, weil eine solche dort mal von meinem Vater geplant war. Siehe dazu einen Beitrag im alten Schlossblog, unten verlinkt.

Die von Habsburg beschriebene Tradition ein Gästebuch zu führen finde ich sehr schön. Ich weiß nicht wann und warum wir damit aufgehört haben. Ich werde diese Tradition wieder aufleben lassen. Irgendwann. Vielleicht morgen. Oder in ein paar Jahren.

Beliebt sind sicherlich auch Habsburgs Erläuterungen zu Nachttöpfen und Toiletten in Schlössern. Auch dazu kann ich später in einem weiteren Blogartikel noch einige Anekdoten zum Besten geben, werde ich schließlich oft bei Schlossführungen zu diesen Themen befragt. Auch weitere Themen, die ich jetzt nicht weiter kommentieren werde, wie Bibliothek, Archiv, Kapelle und – natürlich – Schlossgespenster greift Habsburg auf.

Also stellt sich mir nochmals die Frage: Braucht man eine solche Anleitung zum Leben in einem Schloss? Nun ist es ja keine Anleitung als solche. Eher eine Ode an Schlösser jeglicher Art und ihre Eigenheiten. Eine nette Sammlung von Anekdoten. Insofern: Ja. Das braucht man. Vielleicht macht sie ja auch Lust (m)ein Schloss mal näher zu betrachten und zu besuchen. Das ist bei uns ja auch als Hotelgast für kurze Zeit möglich, ohne dass man sich gleich ein Leben lang zum Buchsheckenschnitt verdingen lassen muss.

Aus dem Buch entstand übrigens eine TV-Serie, die 2014 bei Servus TV ausgestrahlt wurde.

Bei der Recherche zu Buch und Autor stieß ich dann noch auf etwas, das ich Inhaltlich noch interessanter als dieses Büchlein finde: den Podcast „Glaubenssache. Atheismus und Katholizismus im Diskurs“ den Eduard von Habsburg-Lothringen zusammen mit Alexander Waschkau macht, dessen skeptischen Podcast HOAXILLA ich schon seit einigen Jahren gelegentlich höre.

Weiterführende Links:

Die Kapelle, die keine Kirche mehr ist http://zeilitzheim.blogspot.de/2012/06/die-kapelle-die-keine-kirche-mehr-ist.html

Das Buch bei Amazon https://www.amazon.de/Wo-Grafen-schlafen-Schlo%C3%9F-warum/dp/3406607039/

Wo Grafen schlafen bei Servus TV http://www.servustv.com/de/Sendungen/Wo-Grafen-schlafen

Eduard von Habsburg-Lothringen bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Habsburg-Lothringen

Podcast: Glaubenssache. Atheismus und Katholizismus im Diskurs http://glaubenssache.info/

Podcast: HOAXILLA http://www.hoaxilla.com/

Wo Grafen schlafen

6. November 2016
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Holz von 3: Wie das Hotel zu neuen Schlüsselanhängern kam

Unser guter Freund und Gönner und Unterstützer der Familie und des Schlosses, Bauke van Halem, hat mal wieder zugeschlagen und dem Hotel etwas spendiert, über das wir, aber auch alle künftigen Übernachtungsgäste sich freuen werden: Neue Schlüsselanhänger.

Klingt banal, ist es aber nicht, denn wer die bisherigen Schlüsselanhänger kannte, weiß wie schrecklich diese nach 20 Jahren mehrfachen Überstreichens und handschriftlichem Beschriften mit einem Edding aussahen. Nämlich unzumutbar hässlich. Ich habe mich für die Schlüsselanhänger regelrecht geschämt und der eine oder andere Gast mit ausgeprägtem Sinn für Ästhetik wird es auch bewusst festgestellt haben, dass die Dinger nicht schön waren. Andere haben es wohl nur unterbewusst wahrgenommen, dass ihre Schlüssel zu Zimmer und Schloss lieblos und grabbelig wirkten. Aber das hat ja nun ein Ende.

Bevor Hand an Holz gelegt wurde, hat sich Bauke viele Gedanken gemacht zum künftigen Aussehen und der Beschaffenheit der Schlüsselanhänger. Das Holz sollte groß genug sein, um nicht zu leicht versehentlich mitgenommen zu werden, aber auch nicht so groß, dass es in der Hand oder der Tasche unbequem zu hantieren ist. Ein Ring aus Metall müsste noch eingefädelt werden können und es dürfe keine scharfen Kanten geben. In der Form hat sich Bauke von der Abbildung eines Halemschen Familienwappens auf einem alten Schrank im Schloss inspirieren lassen. Öfter korrespondierten wir zwischen Breda (Niederlande) und Zeilitzheim per E-Mail hin und her und stimmten uns zur optimalen Abkürzung der Zimmernamen, der Schriftgröße, dem Schrifttyp (Garamond) und anderen Details ab bevor Bauke den Auftrag zur Ausführung geben konnte.

De Houtbroeders

De Houtbroeders

Bauke ist selbst sehr geschickt mit Holz und hat bei Kurzurlauben im Schloss schon so manchen Stuhl und so manche Diele repariert. Für dieses Projekt hat er jedoch für die Ausführung Profis engagiert. Praktisch, dass sein ältester Sohn Bart van Halem mit zwei Freunden eine Schreinerei führt, „De Houtbroeders“ (die Holzbrüder), die wir familienintern kurzerhand in „Holz von 3“ umbenannt haben in Anlehnung an das eigene Weingut. Mit seinen beiden Kollegen Jaap van Kemenade und Joris Gerritsen hat Bart also die Idee von Bauke umgesetzt.

Nicht irgend ein Stück Holz sollte es sein. Alle Anhänger (für die rund 18 Zimmer, teilweise plus Duplikate für Zimmerkombinationen und Ersatzanhänger) kommen aus einem einzigen Eichenbrett, das aus einem kleinen Dorf im Norden von Friesland stammt. Die Zimmernamen sind gestochen scharf ins Eichenholz eingelasert. Das Ergebnis ist wirklich sehr schön geworden. Es macht richtig Spaß, die Anhänger in der Hand zu halten und mit dem Daumen über das Holz mit seiner feinen Maserung zu fahren. Sehr schön! Bauke hat auch die Ringe aus Metall spendiert und diese eingefädelt (ich möchte gar nicht wissen, wie lange er dafür gebraucht hat) und die Anhänger höchst persönlich im Schloss ausgetauscht und verteilt. Das haben wir dann vor Ort natürlich mit einem Gläschen Petrini gefeiert.

Bauke van Halem

Bauke van Halem bei der Feierstunde zum Einsatz der neuen Schlüsselanhänger im Oktober 2016

Diese vermeintlich kleine Aktion mit den Schlüsselanhängern ist doch eine riesige Aufwertung des Schlosses, die sicherlich nicht nur die Ästheten unter den Gästen schätzen werden!

Bauke sagen wir dafür ganz herzlichen Dank! Aber nicht nur dafür sagen wir danke, denn er und Arda, seine Frau, haben im Oktober erst wieder eine Woche lang „Arbeitsferien“ im Schloss gemacht. Während Bauke allerlei aus Holz reparierte hat Arda im Garten gearbeitet und diesen wieder vorzeigbar gemacht. Auch die Rosenhecken hat sie wieder in Form gebracht (keine leichte Aufgabe: Man/frau braucht schon Schweißerhandschuhe, um mit dem dornigen Dickicht zurecht zu kommen).

Schlüsselanhänger Schloss Zeilitzheim

Folgende Beiträge könnten Dich auch interessieren:

Arda und Bauke Video vom Juni 2012 https://www.youtube.com/watch?v=_YGF8_dGnbs

Blogartikel von und mit Bauke van Halem http://barockschloss.de/?s=bauke

De Houtbroeders „Holz von 3“ in Breda, Niederlande: http://www.dehoutbroeders.nl/

5. November 2016
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Ein amerikanisches Leben: Mein Bruder Fritz

Fritz Freiherr von Richthofen

Fritz Freiherr von Richthofen

Im Mai 2016 bin ich abgereist, um in Georgia meinen Bruder Fritz und meine Schwägerin Helen zu besuchen. Fritz ist seit seinem Studiumsende in USA. Er liebt dort das freiere Leben und die größeren Möglichkeiten, in unberührter Natur zu leben. Das hat er sich erarbeitet durch all die Jahre seiner Berufstätigkeit als Manager eines mittelgroßen Werkes, währenddessen Helen den Boden bereitet hat und durch das Urbarmachen eines wunderschönen Stücks Wildnis.

Fritz und Helen leben in einem viktorianischen Haus, das sie 1992 aus Elberton, Georgia gekauft, in vier Teile geteilt und bei Watkinsville, Georgia, wieder aufgebaut haben, mit neuem Keller und Fußböden und Schornstein. Ich kannte ihr Anwesen schon vorher. Da wohnten sie und ich als ihr Gast – in einem „Trailer“, der sehr einfach, aber auch sehr gemütlich war. Bei meinem ersten Besuch hatten sie schon einen Weg vom Highway No. 54 zu ihrem Grundstück gelegt. Es gab schon Strom und ein Brunnenhäuschen. Später kam ein „Gazebo“ (eine Art Teehäuschen) dazu und ein Schild „Jasmine Terrace“. Es wurde dann kein Jasmin, sondern inzwischen prachtvoll herangewachsene Magnolien. Die 100 acres Land waren Weide und Wald, von dem etliches gerodet wurde in einer Form, daß sich landschaftlichen Ausblicke vom zukünftigen Haus aus wie in einem englischen Park boten. Natürlich gab es einen Stall und eine Scheune (von Fritz gebaut) für die drei Pferde (zwei Quarter Horses und ein Araber) und einen herrlichen See (ebenfalls natürlich selbst ausgehoben und angelegt) mit einem kleinen Laufsteg und einem überdachten Platz über der Wasserfläche zum Fischen, für Picknicks usw. In der Nähe, unter Büschen und Unterholz verborgen, waren die Reste eines ehemaligen Farmhauses, ein aus Holz bestehendes halb zerfallenes Haus, in dem alljährlich eine wilde Truthahnhenne brütet. Weiter weg war ein anderes ehemaliges Gehöft, von dem nur noch die Reste des steinernen Kamins standen. Und es gab die kläglichen Überbleibsel eines Friedhofs. Wer hier mal gelebt hat oder begraben ist, konnte uns niemand sagen.

Rund um das Haus, das dann 1992 in dieser Landschaft wieder aufgebaut wurde, sind Bäume, Büsche und Sträucher in loser Anordnung, weiter weg ein „orchard“ mit Weinstöcken und Blaubeerbüschen (den amerikanischen, hochstämmigen) und ein riesiger, gegen Wildverbiß eingezäunter Hausgarten mit jeder Menge Gemüse und Blumen – Helen ist schließlich Farmerstochter. Ein Paradies, das jeden Tag neu erobert werden will gegen die Kraft der umgebenden Natur.

Auswandern, Deutschland verlassen, hat mit meinem Vater begonnen. 1928 ist er mit seiner jungen Frau – meiner Mutter – nach Namibia gegangen. Daß er 1945 Schlesien verließ, war nicht freiwillig und geschah durch die Vertreibung der Deutschen aus dem deutschen Osten. Aber daß er in den 50er Jahren Deutschland für ganz verließ und als Entwickler nach Afghanistan ging und von dort aus dann als Farmer sich in Kanada ansiedelte, war endgültig. Fritz, mein Bruder – hatte er diesen Drang in die Ferne geerbt? Seine Zeit als Praktikant während des Studiums verbrachte er in Ägypten. Reisen, reisen – das tat er lebenslänglich. Aber daß er tatsächlich nach USA auswanderte….

Und ich: Reisen in die weite Welt war gleichermaßen faszinierend für mich. Deshalb auch die Berufswahl als Dozentin des Goethe-Insituts, das mir und meiner Familie die Gelegenheit bot, in anderen Welten zu leben; die am stärksten „andere“ Welt erlebten wir in Pakistan, wo wir 6 Jahre lebten. Aber wir kehrten doch immer wieder nach Deutschland zurück.

Mit meinem Bruder habe ich eine sehr enge Verbindung. Leider liegt ein großer Ozean zwischen uns, der das Zusammensein schwierig bzw. kostspielig macht. Das Kinderbild von ihm, 1944 noch in Schlesien von einem Berliner Maler gemalt, hängt über meinem Schreibtisch.

Fritz und Helen sind in einer „writers‘ guild“. Bei jedem Treffen muss jeder Teilnehmer etwas, was er geschrieben hat, vorlesen. Bei Fritz sind es immer Geschichten aus seiner und meiner schlesischen Kindheit. So bleibt wohl bei jedem Auswanderer ein Stück Herz zurück an dem Ort, von dem er kommt.