Barockschloss

Neues altes Cembalo und der Zerfraß der Natur

Kürzlich brachte uns ein Freund unseres Hauses, Carsten Lorenz, ein aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammendes frisch restauriertes Musikinstrument – ein Cembalo – als Leihgabe ins Haus. Die Besitzerinnen möchten, daß es in einem heute bewohnten historischen Gebäude steht, und dort auch wieder zu besonderen Gelegenheiten erklingen soll. Da ist Carsten, als Cembalist und mittlerweile als Professor an der Musik- und Kunstprivatuniversität der Stadt Wien tätig, natürlich der Richtige, das zu vermitteln. Gleich nach der Ankunft konnte er uns, den Anwesenden dieser Übergabe, auch schon zeigen, wie schön der Klang dieses fast 400 Jahre alten Instrumentes wieder geworden ist.

Besondere Gefühle bemächtigten sich meiner: hier ist ein lebender Gegenstand. Ich fühlte mich selbst in dieser Zeit lebend. Ein schmächtiges Cembalo aus altem Holz. Die Tasten aus Buchsbaum und Ebenholz, Resonanzboden und viele Details aus Zypressenholz, der Korpus aus Linde. 400 Jahre quasi lebende Geschichte, in die ich eingebunden bin… Das bestärkte meinen ungebrochenen Mut und meine Lust, für dieses alte Schloß zu sorgen, das aus ähnlicher Zeit stammt wie das Cembalo. 1683 war das jetzige Gebäude fertiggestellt (Baubeginn 1679 bis 1683), wobei es davor schon ein Schloß gab, über dessen Aussehen wir allerdings leider nichts wissen.

Carsten  war als Jugendlicher in den 1980er-Jahren mehrfach im Sommer bei uns bei einer jener Gruppen Jugendlicher, die bei den vielen Arbeiten zur Instandsetzung des heruntergekommenen Hauses halfen. Den Buchs, dessen kahles Gesträuch noch (jetzt leider zerfressen von der Raupe der Zünslermotte) an den Rändern der Karrees steht, gab es als Steckling und dann als Pflänzchen bald danach. Holger, Tanno und etliche Jugendliche halfen beim Pflanzen. Am Beispiel des Buchses erlebt man, wie etwas einst Existierendes unwiederbringlich verschwinden kann.  

Carsten Lorenz ist heute Professor mit dem Spezialgebiet des Basso Continuo im Barock. Ohne diesen Basso Continuo ist eine barocke Komposition nicht vollständig, erklärte er uns. Und, so möchte ich ergänzen, ohne den Buchs ist eine barocke  Gartenanlage nicht komplett, selbst einer nachempfunden angelegten wie im Schloß Zeilitzheim. Und hoffentlich bald wird das alte „neue“ Cembalo auch schon wieder zu Hören und zu Sehen sein!

Marina v. Halem

Autor: Marina von Halem

Marina von Halem, geb. von Richthofen, kümmert sich kontinuierlich um Bau- und Restaurierungsvorhaben und die ständigen Reparaturen im und am Schloss. Sie legte den Garten an, baute einen Beherbergungsbetrieb mit Gästezimmern auf und richtete die Säle für eine Bankettgastronomie ein. Sie plant die vielseitigen kulturellen Veranstaltungen, die unter Bezuschussung des Förderkreises Schloss Zeilitzheim stattfinden. Sie bemalt Porzellan und Kacheln (zu sehen in den Badezimmern des Schlosses), auch als Auftragsarbeit.

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